Top Spieler
Als Emil Jakobsen am Sonntagabend um kurz nach 21 Uhr zum wohl letzten Sprint des Tages ansetzte, um einigermaßen trocken sein Auto auf dem Parkplatz an der GP Joule Arena zu erreichen, war Simon Pytlick noch immer in der Kabine. Der Spielmacher der SG Flensburg-Handewitt hatte nicht getrödelt, er war noch lange nach dem Abpfiff des Bundesliga-Heimspiels gegen den HC Erlangen behandelt worden.
Zwar machte der Club keine genauen Angaben zum Zustand des 24-Jährigen. Doch wie es hieß, müsse man sich keine Sorgen um Pytlick machen, der am Montag wie geplant zur dänischen Nationalmannschaft reiste. Das war neben der Tatsache, dass die SG die Franken mit 36:30 (19:14) besiegt hatte, die beste Nachricht des Abends.
Neue Sorgen um Simon Pytlick
Einen weiteren Ausfall muss der unbesiegte Tabellenführer also nicht befürchten. Einen solchen könnte die SG gerade auch überhaupt nicht gebrauchen: Luca Witzke schlenderte nach der Partie ebenso in zivil durch die Katakomben der Arena wie Lasse Möller. Während es bei Witzke immer noch keine offizielle Verlautbarung gibt, welches Schulter-Leiden ihn genau plagt und wie lange der Nationalspieler noch ausfallen wird, ist das bei Möller ziemlich ersichtlich der eingegipste Unterarm, nachdem er sich in der European League gegen Bidasoa Irun die Mittelhand gebrochen hatte.
Tabelle
| # | Mannschaft | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 9 | TSV Hannover-Burgdorf | 10 | 4 | 2 | 4 | 270:295 | -25 | 10:10 |
| 10 | Bergischer HC | 10 | 4 | 1 | 5 | 260:300 | -40 | 9:11 |
| 11 | HC Erlangen | 10 | 3 | 2 | 5 | 255:305 | -50 | 8:12 |
| 12 | TVB Stuttgart | 10 | 3 | 1 | 6 | 250:310 | -60 | 7:13 |
| 13 | GWD Minden | 10 | 2 | 2 | 6 | 245:315 | -70 | 6:14 |
Die Saison der SG Flensburg-Handewitt im Liveblog
Pytlick war am Sonntag kurz vor Schluss in der Luft von Erlangens Florian Scheerer (sah Rot) abgeräumt worden, knallte auf den Rücken, blieb liegen, wurde behandelt und anschließend in die Kabine gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war die Partie bereits entschieden – wenn auch verspätet. In der ersten Halbzeit hatte sich die SG zwischenzeitlich einen Zehn-Tore-Vorsprung (17:7) erarbeitet, den Gegner im weiteren Verlauf der Partie jedoch bis auf zwei Treffer wieder herankommen lassen.
„Nach dem 17:7 haben wir ein bisschen angefangen, zu relaxen.“
Trainer der SG Flensburg-Handewitt
Beides hatte auch mit Pytlick zu tun. Der 24-Jährige glänzte zunächst in der Rolle des Vorbereiters. Erlangen hatte sich eine ganze Reihe von technischen Fehlern geleistet, die Flensburger hatten sie eiskalt bestraft – bis sie irgendwann selbst nachlässig wurden. „Nach dem 17:7 haben wir ein bisschen angefangen, zu relaxen“, sagte Trainer Ales Pajovic. Dadurch kam Hektik auf, der HCE um den Ex-Flensburger Marek Nissen witterte Morgenluft – und war nach einem 6:1-Lauf plötzlich wieder im Spiel.
SG Flensburg-Handewitt mit Blackout nach der Pause
Pytlicks Rückkehr: Flensburg siegt trotz Verletzungssorgen
Die Pausenunterbrechung half nicht. Was kurz nach dem Seitenwechsel passierte, nannte SG-Kapitän Johannes Golla einen Blackout: Technische Fehler, Ballverluste und vergebene Chancen – auch von Simon Pytlick; ein sicher geglaubter Sieg hing spätestens beim 23:21 am seidenen Faden.
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Flensburgs dänischem Spielmacher aber wird nicht ohne Grund Weltklasse attestiert. Der 24-Jährige hat sich zu einem Go-to-Guy entwickelt, zu einem, von dem die Mitspieler wissen, dass er bereit ist, die Verantwortung zu tragen, wenn es eng wird. Und so lenkte er mit drei Treffern und einer Golla-Vorlage das Spiel kurz vor Beginn der Crunchtime in die richtige Richtung. „Wir mussten richtig hart arbeiten, machen das aber gut und gewinnen am Ende auch verdient“, befand Golla. Niemand mochte dem Kapitän widersprechen.
Tabellenführer muss sich unnötig spät noch strecken
Gleichwohl – und das ist in diesem Fall die Moral der Geschichte – hat sich die SG nicht zum ersten Mal selbst in die Bredouille gebracht. Die Entscheidung wäre viel früher möglich gewesen. Vermutlich hätten sich die Flensburger in der Schlussphase nicht mehr strecken müssen. Und Pytlick hätte die letzten Minuten wohl nicht mehr auf dem Feld, aber ebenso wenig in der Kabine erlebt – sondern auf der Auswechselbank.
Kräfte schonen aber konnten die Flensburger vor der Länderspielpause nicht, um mit dem achten Bundesliga-Sieg in Folge die Tabellenführung zu behaupten. Stattdessen mussten sie kurzzeitig befürchten, dass einer ihrer wichtigsten Spieler Schaden genommen hat.
Um Emil Jakobsen braucht sich unterdessen niemand zu sorgen – einigermaßen trocken und ohne muskuläre Verletzung hat der Linksaußen sein Auto erreicht.