Was ist denn da bloß mit Jaguar los? Die Rede ist von einem Neustart. Und was der geneigte Betrachter seit Wochen zu sehen bekommt, sind Models in schrill-bunten Outfits. Mehr Laufsteg als Rennstrecke also. Wird man daraus schlau?
Die Botschaft einer radikalen Veränderung ist jedenfalls zu erahnen, wenn, wie im Video zu sehen, der Vorschlaghammer zum Einsatz kommt und neue Sprüche gepinselt werden. Es sind beispielsweise Sprüche wie „copy nothing“ oder „break the moulds“. Letzteres heißt so viel wie „von jetzt an etwas völlig anderes als bisher tun“. Und wenn man dann noch Designchef Gerry McGovern mit rockiger Lederjacke referieren hört und sieht, könnte man denken, das alles sei eine riesengroße Satireshow. Zumal natürlich kopiert wird.
Jaguar wird sich verändern, es wird exklusiver
So viel zur Vorgeschichte der neuen Markenkampagne. Aber was ist denn jetzt Sache? Richtig, Jaguar wird sich verändern. Man kann die neue Ausrichtung als Zäsur begreifen oder vielleicht einfach nur als Rückbesinnung auf alte Werte - demnach gar etwas Konservatives. Denn dass Jaguar in den letzten Jahren fast als Vollsortimenter auftrat bis in die Niederungen der Mittelklasse mit E-Pace und XE, war keineswegs immer so. Was ist daran luxuriös? Und Jaguar ist doch eine Luxusmarke! Es gab durchaus Zeiten, da musste die Marke mit einer Oberklasse-Limousine (XJ) und einem Sportwagen-Modell, dem XJS, auskommen - warum also nicht wieder weg von der Masse und hin zur Marge (unternehmerisch betrachtet)? Jetzt sind die aktuellen Modelle eben ausgelaufen und es kommen neue.
Im Netz kursieren schon Memes, in denen der Type 00 mit dem Rolls-Royce Spectre verglichen wird, und in der Tat lassen sich erstaunlich ähnliche Elemente entdecken. Aber hey, Gerry ist ein cooler Typ, der auch mal lange Haare trug, und britischen Humor hat er bestimmt auch. Vielleicht ist die ganze Aktion gar nicht so dumm und sogar ein ziemlich cleverer PR-Coup in Form reinsten Guerilla-Marketings nach Lehrbuch. Wenn sich selbst Tesla-Chef Elon Musk zu einer Frage auf seiner Plattform X hinreißen lässt, ob Jaguar Autos verkauft, dann könnte man vermuten, dass die Marketing-Crew alles richtig gemacht hat, oder?
Okay, es soll wohl kritische Stimmen geben. Und auch eingesessene Markenclubs, denen der Auftritt dann doch zwei Nummern zu woke erschien. Und ob man bei der Präsentation auf der renommierten „Miami Art Week“ in Miami Beach zehn Minuten über die neue Wortmarke „Jaguar“ referieren muss, sei auch dahingestellt, zumal hier wenig Grafiker anwesend sein dürften.
Der neue Schriftzug sieht jedenfalls fein aus in dem in Bronzegold gehaltenen Ton und mit seiner modern-distinguierten Schriftart - finde ich zumindest, aber das ist ja nun Geschmacksache. Ob einzelne (wenige) Kunden, die bereits seit 50 Jahren Jaguar XJ fahren und Mitglied diverser Markenclubs sind, auf das neue elektrische Gran Turismo umsteigen, das Ende 2026 kommen soll, mag spekulativ sein, aber die Wahrscheinlichkeit wird offenbar als nicht ganz so hoch bewertet im britischen Coventry, der Jaguar-Zentrale.